Der Nachlass des 1663 verstorbenen bedeutenden Wedinghauser Kanonikers Johann Richard Rham bescherte dem Kloster einen ungeahnten Geldsegen. Dieser plötzliche Reichtum versetzte Abt Michael Reinhartz (reg. 1663-1688) in die Lage, westlich vor dem engeren Klosterbereich einen Neubau zu errichten, die sog. "Prälatur". Am Nordgiebel des Gebäudes sind verschiedene Maueranker zu sehen. Unter dem Klosterwappen (Laurentiusrost mit schräg darübergelegten Abtstab) finden sich die Schriftzüge für "Jesus" und "Maria" und das Jahr der Fertigstellung "Anno 1666". An der Ostfassade prangt der Name des Ordensstifters "Norbertus".

Der repräsentative Neubau diente dem Abt als Wohnhaus. Hier konnten gleichzeitig Gäste des Klosters beherbergt werden, ohne den Bereich der inneren Klausur zu stören. Auf einer Stadtansicht aus dem Jahre 1669 ist das neue Gebäude zu sehen. Rudolf von Essl, der Zeichner der Stadtansicht berichtet in der zugehörigen Beschreibung, der Abt habe "ein schön herrliches Gebeu ... nahe am Kirchhoff aufbauen lassen, an welchem Gebeu domahliger Architectus sonderlichen Fleiß muß angewendet haben, kann sonsten auch an einer Seiten zu oeconomischen Bedienung und oben auf, nebst des Herrn Prälaten Logimenteren, zu Accomodierung vornehmer Herren und Freunde, welche ihre Visite im Kloster ablegen, emploiirt werden."

Die Prälatur wird heute von der katholischen Propsteipfarrgemeinde St. Laurentius genutzt. Hier findet sich das Pfarrbüro, die Pfarrbücherei und u.a. die Wohnung des Propstes, der quasi als "Nachfolger" des Wedinghauser Abtes hier residiert.