Die zehn prächtigsten Handschriften des Reichenauer Klosterskriptoriums wurden 2003 als Weltdokumentenerbe in das UNESCO-Programm "Memory of the World - Gedächtnis der Menschheit" aufgenommen. Der "Gero-Codex" ist der älteste dieser Codices. Gero, von 970-976 Erzbischof von Köln, hat ihn vor 969 in der Reichenauer Malschule in Auftrag gegeben. Anfangs wurde er in der Kölner Dombibliothek aufbewahrt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt gelangte er nach Wedinghausen. Ein Katalog der Dombibliothek von 1752 nennt ihn nicht mehr. Sicher ist, dass er bei der Flucht nach Wedinghausen 1794 nicht mehr zu ihrem Bestand gehörte.

Ludewig X. v. Hessen-Darmstadt, der 1802 Arnsberg besetzen ließ, war sehr an Kunstschätzen und Handschriften interessiert. Schon während des Landtages 1803 ließ sich daher Regierungsdirektor Minnigerode von Archivrat Dupuis drei der wertvollsten Codices aushändigen und nahm sie mit nach Darmstadt. Eigenartig geheimnisvoll wurden sie bei der Übergabe bezeichnet: 1. der Codex "mit dem Hirsch", 2. der Codex "von Meschede", 3. das "gemalte Buch von Wedinghausen".

Welche Werke verbargen sich dahinter?

1. Der "Hillinus-Codex", ein Evangeliar, zwischen 1010-20 in Köln geschrieben, zeigt auf dem Außendeckel verzierte Metallbeschläge (14. Jh.), mittig ein Messingwappen mit einem Hirsch (heute: Kölner Dombibliothek).

2. Der "Hitda-Codex", wurde um das Jahr 1000 von der Äbtissin Hitda des Damenstiftes Meschede wohl im Kölner Kloster St. Pantaleon in Auftrag gegeben (heute: Hess. Univ.- u. Landesbibl., Darmstadt).

3. Bei dem dritten Buch handelt es sich um den "Gero-Codex". Das Evangelistar war 1803 offenbar schon so lange im Arnsberger Kloster, dass es wie selbstverständlich als das "gemalte Buch von Wedinghausen" bezeichnet wurde. (heute: Hess. Univ.- u. Landesbibl., Darmstadt).



Abbildung oben (Ausschnitt): "Arnsberger Gero-Codex", Evangelistar, Reichenau, vor 969, seit 2003 Weltdokumentenerbe der UNESCO. Das "gemalte Buch von Wedinghausen" zeigt u.a. zwei prächtig illuminierte Seiten mit der Darstellung des thronenden Christus bzw. des Stifters Gero, der das Buch dem Hl. Petrus übergibt



Im Rahmen der Buchreihe "Wedinghauser Denkanstöße" ist mit dem Band 4 ein Dokumentationsband über die Ausstellung des Gero Codex im Kloster Wedinghausen vom 24. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010 entstanden, der im Arnsberger Buchhandel und beim Stadtarchiv Arnsberg erhältlich ist. Die Autoren: Michael Gosmann, Peter Michael Kleine und Kathrin Ueberholz; ISBN 978-3-928394-26-6.