Franz Fischer
43. und letzter Abt des Klosters Wedinghausen


Am 7. August 1781 wählte der Wedinghauser Konvent den Prior Franz Fischer zum 43. Klostervorsteher. Der neue Abt stammte aus einfachsten Verhältnissen. Er kam 1740 im Dorf Calle als Sohn der Ackersleute Georg Fischer und Anna Maria geb. Luigs zur Welt. Wissenschaftlich und musikalisch begabt erhielt der Junge die Chance, das Wedinghauser Gymnasium zu besuchen. Danach studierte er Theologie und trat 1759 in die Arnsberger Abtei ein. Fischer unterrichtete lange am Klostergymnasium. Von 1773-76 versah er die Arnsberger Pfarrstelle und wurde dann Prior. Seine Liebe zur Musik hat er zeitlebens gepflegt.

Als Abt bemühte er sich der Unruhe entgegenzuwirken, die die Aufklärung auch im Wedinghauser Konvent erzeugte. Offene Widersetzlichkeit trat ihm entgegen, zwei Kanoniker verließen 1791 sogar die Abtei. Fischer wollte resignieren und Propst im Frauenkloster Rumbeck werden. Ein Gespräch mit dem Kölner Erzbischof Maximilian Franz v. Österreich (1756-1801) stimmte ihn um.

Als das Kölner Domkapitel 1794 mit den Reliquien der Hl. Drei Könige und allen Domschätzen vor den Revolutionstruppen nach Arnsberg flüchtete, räumte der Abt großzügig die Prälatur und beschränkte sich auf wenige Zimmer. Wedinghausen blieb für fast 10 Jahre Sitz des Domkapitels. Fischer fungierte ab 1795 als Generalvikar für die Erzdiözese. Ein Zeitzeuge schildert ihn als "eine starke, untersetzte Gestalt von mittlerer Größe ... Sein ganzes Wesen und Auftreten atmete Würde, Feierlichkeit und imponirenden, Achtung gebietenden Anstand..."

Mit der Besetzung des kurkölnischen Sauerlandes durch Hessen-Darmstadt 1802 kündigte sich die Zwangsaufhebung Wedinghausens an, die am 17. Oktober 1803 verfügt wurde. Alle 25 Konventualen verließen ihr Kloster, das Vermögen wurde verstaatlicht. Abt Fischer durfte in Rumbeck wohnen. Als auch dieses Kloster ein halbes Jahr später aufgelöst wurde, zog er in sein Geburtsdorf. Hier ist er 65jährig am 21. August 1806 verstorben.


Richard Rham

Herausragende Fähigkeiten besaß der um 1600 in Werl geborene Johann Richard Rham, der 1622 in Wedinghausen eintrat. Er war als Diplomat, Schriftsteller, Maler, Mediziner und Alchimist für die höchsten Kreise tätig. Mit Kaiser Ferdinand III. (1608-1657), ein leidenschaftlicher Alchimist, hat Rham in Wien alchimistische Experimente durchgeführt. Der Kaiser soll ihm dabei „den Blassbalg selpst gezogen“ haben. Er beauftragte ihn auch mit verschiedenen Gesandtschaften, besonders an den englischen Königshof. Rham muss so geschickt agiert haben, dass auch andere Fürsten ihn mit heiklen Missionen betrauten. Nach einem ereignisreichen Leben ist er am 7. Oktober 1663 zu Coesfeld verstorben. Im seinem Nachlass fand sich u.a. ein großer Onyx von sagenhaftem Wert, den der Kaiser ihm geschenkt hatte. Zudem ein Barvermögen von 18.000 Talern, Edelsteine, Diamantringe, goldene Ketten, versilberte Trinkhörner, Elfenbein, Gemälde, eine Bibliothek von mehr als 270 Bänden und Mobiliar. Dieser Geldsegen ermöglichte es dem Kloster, eine neue Abtwohnung (Prälatur) zu erbauen, die 1666 vollendet wurde.



Abbildung oben (Ausschnitt): Arnsberg von Südsüdosten, vor 1803
Der Bückeburger Hofmaler Wilhelm Strack fertigte diese Stadtansicht mit dem Chor der Klosterkirche (links), der Stadt und den Ruinen des kurfürstlichen Schlosses kurz vor der Aufhebung Wedinghausens