"Weiße Mönche" oder "Söhne des Hl. Norberts" (Norbertiner)
Die Prämonstratenser waren einer der erfolgreichsten Reformorden in Europa. Norbert v. Xanten († 1134) begann 1120 mit 40 Anhängern in Prémontré bei Laon nach dem Beispiel der Jünger Jesu zu leben. Sie machten ernst mit dem Armutsideal und trugen einen weißen Habit aus ungefärbter Schafswolle. Als Ordensregel wählten sie die Regel des Hl. Augustinus († 430). Der Papst bestätigte 1126 die neue Gemeinschaft. Es begann ein rasanter Aufstieg. Durch Hunderte von Niederlassungen (max. 630!) von Portugal bis ins Baltikum gewann der Orden europaweit an Bedeutung.

Anders als die Mönchsorden (z.B. Benediktiner), sind die Prämonstratenser Chorherren, d. h. geweihte Priester, die sich zu gemeinsamem Leben (vita communis) zusammenschließen und Armut und Keuschheit, Gehorsam und Disziplin versprechen. Im Innern stehen Chorgebet und Gottesdienst an erster Stelle. Im Pastoralen wollen sie durch Seelsorge, Verkündigung, Spendung der Sakramente und Unterricht den Menschen "das Göttliche" nahe bringen. Auch ihre Wirtschaftsweise ist innovativ, sie treiben rationale Land-, Wald- und Wasserwirtschaft, nutzten die Wasserkraft und roden Landstriche.

Gewöhnlich hieß der Leiter der Gemeinschaft "Propst" (Präpositus). Der Wedinghauser Propst durfte sich seit 1518 "Abt" nennen mit dem Recht, Mitra und Stab zu tragen. Die Anlagen der Chorherren wurden korrekterweise nicht Klöster sondern "Stifte(r)" genannt (lat. "stipendium" = Rechtsform einer Stiftung). Später vermengten sich die Begriffe Klöster und Stifte, Mönche und Chorherren. Die Wedinghauser Chorherren hießen im Volksmund "Mönche" und ihr Stift war das "Kloster". So trat neben die Bezeichnung "Prämonstratenserchorherr" oft "Norbertinermönch".



Abbildung oben (Ausschnitt): Stammbaum des Prämonstratenserordens, 1727, Kupferstich auf Papier, H. 144 cm, B. 90 cm von Joseph Klauber (um 1700-1768) und Johannes Klauber (1712-1787), Augsburg, 18. Jh.