Früh existierte in Wedinghausen eine Schreibstube (Skriptorium), die Bücher für Liturgie und Studium herstellte. Dies war eine kostspielige, handwerkliche und intellektuelle Leistung. Man benötigte dazu das Pergament ganzer Schafherden bzw. viele Rinder- oder Kälberfelle und seltene Farbpigmente, Gold, Silber und Purpur, um Initialen und Illustrationen auszumalen.

Cäsarius von Heisterbach (+ nach 1240) berichtet in seinen "Wundergeschichten" (um 1219/23) "von der Hand eines Schreibers in Arnsberg": der Engländer Richard habe in Wedinghausen viele Bücher geschrieben. Er starb um 1190 im Rufe der Seeligkeit. Als man 20 Jahre später sein Grab öffnete, fand man die rechte Schreibhand unversehrt. Sie wurde als Reliquie verehrt, bis sie in den truchsessischen Wirren 1583 verloren ging. Später entdeckte man eine solche Hand wieder, da aber Zweifel an der Echtheit bestanden, verbot man ihre Verehrung.

Richard ist vielleicht Schöpfer der ältesten Handschrift aus Wedinghausen (Ende 12. Jh.) Sie beinhaltet die "Jüdischen Altertümer" und den "Jüdischen Krieg" des Historikers Flavius Josephus und ist mit Initialen und Figuren verziert. Richard soll auch eine Lebensbeschreibung der Hl. Ursula und eine Auslegung der Hl. Messe verfasst haben.

Cäsarius von Heisterbach: Dialogus Miraculorum (verfasst zwischen 1219 und 1223)
"Von der Hand eines Schreibers in Arnsberg"

In Arnsberg, einem Kloster des Prämonstratenserordens, wie ich von einem Priester dieses Ordens gehört habe, war ein Schreiber, ein gewisser Richard mit Namen, von Geburt ein Engländer. Dieser hatte viele Bücher in eben diesem Kloster mit eigener Hand niedergeschrieben, den Lohn für seine Arbeit im Himmel erwartend. Als dieser gestorben war, wurde er an einem ehrwürdigen Platz begraben. Nach zwanzig Jahren öffnete man sein Grab und fand seine rechte Hand so unversehrt und frisch, als wäre sie soeben von dem lebendigen Körper abgeschnitten. Das übrige Fleisch war zu Staub geworden. Zum Beweis für dieses große Wunder wird die Hand bis heute ebenda im Kloster aufbewahrt. Es war gut vorstellbar, dass die Hand dieses Schreibers die Feder hielt."